Männer – Kunst – Kirche

Artikel von Rüdiger
Kann das überhaupt funktionieren: Zehn Männer, die sich kaum kennen, die zum Teil der Kirche nicht unbedingt nahe stehen und künstlerische Laien sind, und ein solches Projekt: Die Darstellung der Zehn Gebote in Stein?
Ich erfuhr davon mehr zufällig, fast in letzter Minute und dachte sofort: Das wäre doch mal eine total neue und reizvolle Aufgabe für mich als Ruheständler, Bastler und Heimwerker! Gewisse Bedenken hatte ich schon: Als Nicht-Garbsener und einer, der der organisierten Kirche eher skeptisch gegenüber steht, war ich Außenseiter. Pastor Burkhard Grahe drängte mich ein wenig zur Entscheidung, da bei der ersten Kontaktaufnahme nur noch fünf Tage Zeit bis zum Beginn am 14. Januar 2006 waren und bis zu diesem Tag nur acht werdende „Bildhauer“ zur Verfügung standen. „Sonst müssen wir die Sache aufschieben oder sogar abblasen. Wir brauchen zehn Männer für die zehn Gebote.“ sagte er. Meine Frau meinte, dass ich ja immer noch abspringen kann, falls ich dort im Gemeindehaus womöglich nur auf eine zusammenklüngelnde Männergruppe, auf einen vielleicht frömmelnden Pastor oder einen abgehobenen Künstler Oliver Pohl treffen sollte.
Aber war es ganz und gar nicht: Eine freundliche, lockere, erwartungsfrohe und offene Atmosphäre bestand von Anfang an. Die heterogene Gruppe – Männer im Alter von knapp 40 bis fast 80 Jahren mit den verschiedensten Berufe vom Handwerker, Techniker über den Erzieher bis zum Akademiker, einer auch katholisch - wuchs nach gegenseitigem Kennen lernen und unter der Führung des Pfarrers schnell zusammen. In der Absicht, ein gemeinsames interessantes Werk anzugehen, zogen alle an einem Strang. Wir duzten wir uns der Einfachheit halber. Wir einigten uns ziemlich schnell und problemlos darauf, wer von uns welches der Zehn Gebote bearbeiten wird, nachdem wir in intensiven Gesprächen Kenntnisse gewonnen hatten, was hinter dieser altisraelitischen Gesetzesordnung steht – Aufbruch in eine neue Freiheit und Gläubigkeit, Prinzipien der Demokratie-, aber auch welche aktuelle und brisante Bedeutung die 10 Gebote für unsere heutige Gesellschaft noch haben.
Nachdem wir dann die in einer Scheune liegenden Steine begutachtet und untereinander verteilt hatten probierten wir unter der nett-kameradschaftlichen und fachlichen Anleitung durch Oliver, unsere Ideen, oft nur die auf ein Schlagwort reduzierten Gebotsinhalte, plastisch in Ton darzustellen. Ohne die vielen praktischen Hinweise und Hilfestellungen eines professionellen Künstlers wäre wohl nicht viel bei alledem herausgekommen.
Das alles geschah beim ersten Treffen.
Am 21. Januar ging es dann zur Sache: In der Scheune wurden Lampen aufgestellt, die Steine wurden ringsum zum Teil aufgebockt oder auf Holzpaletten gelegt. Werkzeuge, Handschuhe, Schutzbrillen, Gehörschutz und Arbeitskleidung waren vorhanden.

Bald stürzten wir uns in die ungewohnte Arbeit, es begann ein stundenlanges Hämmern. Die Schlage trafen – wie nicht anders zu erwarten – nicht nur die Steinbrocken sondern auch gelegentlich die Hände. Die Staubentwicklung war beträchtlich, der Spaß war bei gegenseitigem Begutachten und Bestaunen groß.
Für Kaffee und Suppe in den Pausen sorgte Burkhard. Am Ende des Tages war zumindest mancher Stein wesentlich kleiner geworden. Alle waren müde, die Muskeln taten etwas weh, die Hosen und Schuhe waren grau bestäubt, aber – ich glaube – keiner ging unzufrieden nach Hause. Fertig sind wir noch lange nicht, aber uns bleiben bis zum Aufstellen der Statuen am Hang neben der Kirche noch einige Wochen.
Rüdiger
siehe auch Homepage von Oliver Pohl



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